• Mittwoch, der 11. Oktober 2017

Ein Fünftel aller Lkw besteht die Hauptuntersuchung nicht / VdTÜV veröffentlicht den Nutzfahrzeug-Report 2017

Ein Fünftel aller Lkw besteht die Hauptuntersuchung nicht / VdTÜV veröffentlicht den Nutzfahrzeug-Report 2017

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Berlin – Über 20 Prozent der Lkw fallen mit erheblichen Mängeln durch den TÜV. Probleme bereiten
insbesondere ältere Kleintransporter und leichtere Nutzfahrzeuge. Schwere Lkw und Zugmaschinen
schneiden besser als der Durchschnitt ab. Das sind wichtige Ergebnisse des TÜV Report Nutzfahrzeuge,
den der Verband der TÜV e.V. veröffentlicht. In die Mängelstatistik flossen über eine Million Ergebnisse der
gesetzlich vorgeschriebenen Hauptuntersuchung ein.

Ob Transporter, Zugmaschinen oder schwere Baustellenfahrzeuge: Nutzfahrzeuge bilden das Rückgrat der
Mobilität unserer Wirtschaft. Sie sind im Dauereinsatz und hohen Belastungen ausgesetzt. Das schlägt sich
auch auf die TÜV-Statistik nieder, deren Daten in den Jahren 2016 und 2015 erhoben wurden.
Insbesondere Transporter und Lkw in den mittleren Gewichtsklassen liegen bei den Mängeln über dem
Durchschnitt. So wurden bei 21,7 Prozent der Fahrzeuge bis 7,5t erhebliche Mängel festgestellt, zwischen
7,5t und 18t sind es sogar 22,8 Prozent. Ein besseres Ergebnis fuhren die schweren Lkw über 18t ein: Bei
ihnen schneiden 18,1 Prozent mit erheblichen Mängeln ab. Der Durchschnitt bei allen Nutzfahrzeugen liegt
bei 21,4 Prozent.

Defekte Scheinwerfer, Ölverlust an Motor und Antrieb sowie Probleme mit den Bremsen sind sicherheits-und
umweltrelevante Mängel, die bei der Hauptuntersuchung häufig beanstandet werden. So stellen die
TÜV-Experten an rund 11 Prozent der fünfjährigen Fahrzeuge erhebliche Mängel an der hinteren
Beleuchtung fest. Auch ist Ölverlust an Motor und Antrieb ein Problem, je älter der Lkw ist. Nach fünf
Jahren werden bereits bei 5 Prozent der Fahrzeuge Öl-Lecks festgestellt, was zu gefährlichen
Fahrzeugbränden und Verschmutzung der Umwelt führen kann.

Besonders bei kleineren Transportern, die fünf Jahre und älter sind, stellen die TÜV-Experten
Bremsenmängel fest. „Gemessen an den hohen Geschwindigkeiten dieser Fahrzeuge oder ihrem Einsatz im
belebten Stadtverkehr sehen wir hier ein Sicherheitsrisiko“, erläutert Richard Goebelt, Leiter des Bereiches
Mobilität des VdTÜV. „Unternehmen sollten hier mehr Wert auf regelmäßige Wartung ihrer Fahrzeugflotten
legen.“ Immerhin liegt die Quote für Bremsenmängel bei einzelnen Modellen bereits nach fünf Jahren bei
über 10 Prozent.

Dass sich ein gutes Qualitätsmanagement und regelmäßige Wartung der Nutzfahrzeuge beim TÜV auszahlt,
lässt sich an den Ergebnissen der schweren Lkw ab 18t ablesen. „Die Mängelquoten sind hier niedriger, weil
die Flottenbetreiber durch vorausschauende Wartung ihre Fahrzeuge auf der Straße halten müssen“,
erläutert Goebelt, „der Ausfall eines Transportes innerhalb der Logistikkette brächte gravierende finanzielle
Haftungsrisiken mit sich.“

Die Ergebnisse des TÜV Report Nutzfahrzeuge zeigen aber auch den Nutzen des Systems der Technischen
Überwachung für die Sicherheit in Deutschland. Die engmaschige neutrale Hauptuntersuchung führt dazu,
dass sicherheitsrelevante Mängel rechtzeitig erkannt und danach behoben werden. Das gilt allerdings nur
für Fahrzeuge, die auch in Deutschland zugelassen wurden. So wurden auf deutschen Autobahnen allein im
Jahr 2015 etwa 40 Prozent der mautpflichtigen Kilometer von ausländischen Lkw zurückgelegt, über deren
technischen Zustand nichts bekannt ist. „Wir empfehlen hier, die Unterwegskontrollen durch die nach
Bundes- und Landesrecht zuständigen Behörden zu stärken“, so Goebelt.

Eine wichtige Herausforderung stellen die neuen digitalen Technologien dar. Besonders für Nutzfahrzeuge
bedeutet der Einsatz innovativer digitaler Systeme eine große Chance für mehr Sicherheit auf den Straßen
und mehr Effizienz in den Logistikketten. Digitale Assistenzsysteme und Vernetzung ermöglichen auch bei
Nutzfahrzeugen autonome oder teilautonome Fahrkonzepte. So können beim „Platooning“ mehrere
Fahrzeuge durch eine digitale Deichsel mit einander vernetzt werden und im Verbund fahren. Die
Voraussetzung dafür ist eine flächendeckende und dauerhaft funktionale Verkehrsinfrastruktur: Ohne
interoperable und zuverlässige Kommunikationsstandards wird es keine digitale Zukunft im Straßenverkehr
geben.

Die vermehrten Cyber-Angriffe zeigen die Sicherheitsrisiken und die Verwundbarkeit vernetzter digitaler
Systeme. Der VdTÜV empfiehlt daher eine konsequente Weiterentwicklung sowohl der
Typgenehmigungsverfahren, als auch der periodischen Hauptuntersuchung, um künftig digital vernetzte
Systeme sicher gestalten zu können. „Zusätzlich sollte auch die digitale Infrastruktur regelmäßig durch
neutrale Organisationen überwacht werden, damit sich die Verkehrsteilnehmer auf die Sicherheit verlassen
können“, erläutert Goebelt. Darüber hinaus muss in jedem Fahrzeug der Schutz und die Weitergabe
personenbezogener Daten klar geregelt sein. Hierzu hat der VdTÜV mit der Automotive-Platform ein
Konzept entwickelt, das Datenschutz und IT-Sicherheit in jedem Fahrzeug gewährleisten kann.

Der TÜV Report Nutzfahrzeuge erschien am 6. Oktober 2017 als Sonderbeilage der Zeitschrift
„Verkehrsrundschau“ im Verlag Heinrich Vogel.

Weitere Informationen: www.vdtuev.de

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