• Mittwoch, der 11. Oktober 2017

Das Elektrofahrrad kosten- und steuerfrei aufladen – geht das?

Das Elektrofahrrad kosten- und steuerfrei aufladen – geht das?

710 474 AWM Hanse AG

Neustadt a. d. W. – Erfolgsgeschichte Elektro-Rad: Rund drei Millionen dieser Fortbewegungsmittel
sind aktuell in Deutschland unterwegs, wie der Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) schätzt. Da stellen
sich viele die Frage: Wo finde ich vorteilhafte Auflade-Möglichkeiten für mein Gefährt? Der
Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. (VLH) liefert Antworten.

Arbeitnehmer, die mit ihrem Elektrofahrrad ins Büro oder in den Betrieb radeln und dort ihren fahrbaren
Untersatz kosten- und steuerfrei aufladen: ein Wunschtraum? Keineswegs: Unter bestimmten Bedingungen
geht das, wie die VLH-Steuerexperten betonen. Schließlich hat die Bundesregierung ein ganzes
Maßnahmenbündel zur Förderung der Elektromobilität auf den Weg gebracht. Dazu zählen auch einige
steuerliche Regelungen, die es erlauben, bestimmte Elektro-Räder kosten- und steuerfrei aufzuladen.

Dafür müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Der Arbeitgeber muss bereit sein, seinen Arbeitnehmern das kostenlose Aufladen an einer sogenannten
ortsfesten betriebseigenen Ladestation zu ermöglichen. Dieser Vorteil muss laut VLH-Profis zusätzlich zum
normalen Arbeitslohn zur Verfügung gestellt werden. Indem Arbeitgeber solche Möglichkeiten schaffen,
beteiligen sie sich – ganz im Sinne des Gesetzgebers – am bundesweiten Ausbau der Ladeinfrastruktur. Alle
Kosten, die dem Arbeitgeber durch die Bereitstellung eines solchen Angebots entstehen, kann er als
Betriebsausgaben angeben: Das gilt also zum Beispiel für die Aufbau- und Betriebskosten der Ladestation
oder die Ausgaben für den bereitgestellten Strom.
2. Der Arbeitnehmer muss den VLH-Fachleuten zufolge eine ganz
bestimmte Art von Elektrofahrrad nutzen. Konkret: Es muss sich um ein
sogenanntes S-Pedelec handeln, wobei Pedelec für „Pedal Electric
Cycle“ steht. S-Pedelecs sind Elektro-Räder, deren Motoren nur die
Trittleistung unterstützen, dabei schaltet sich der Antrieb ab einer
Geschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde ab. S-Pedelecs
unterscheiden sich also …
a) … von Pedelecs, deren Motoren zwar auch nur die Trittleistung
unterstützen, sich aber bereits ab einer Geschwindigkeit von 25
Kilometern pro Stunde abschalten.
b) … von sogenannten E-Bikes, deren Motorunterstützung unabhängig
von der Trittleistung ist. Sie können in der Regel auch ohne eigene
Anstrengung in Bewegung gesetzt werden.

Sind die beiden genannten Bedingungen – (1.) Möglichkeit zum kostenlosen Aufladen an einer
entsprechenden Station des Arbeitgebers und (2.) Nutzung eines S-Pedelecs durch den Arbeitnehmer –
erfüllt, greift laut VLH-Experten ein besonderer steuerlicher Vorteil: Anders als bei anderen Arbeitgeber-
Vergünstigungen – etwa bei Essens- oder Tankgutscheinen – wird das Gratis-Aufladen von S-Pedelcs in der
Regel nicht wie sonstige geldwerte Vorteile mit Steuern und Sozialabgaben belegt. Somit ist ein solches
Auflade-Verfahren nicht nur kosten-, sondern auch steuer- und sozialabgabenfrei.

Warum gilt der Steuervorteil nur für S-Pedelecs?
Bleibt die Frage: Warum gewährt der Gesetzgeber den beschriebenen Steuervorteil nur für die als
Kleinkrafträder eingestuften S-Pedelecs, während die verkehrsrechtlich als Fahrräder geltenden Pedelecs
leer ausgehen? In einer Antwort auf eine schriftliche Frage aus dem Bundestag schafft das
Bundesfinanzministerium Klarheit: Demnach soll durch die erläuterte Steuerbefreiung gezielt der Erwerb
von Elektro-Kraftfahrzeugen und der notwendige – so wörtlich – „flächendeckende, bedarfsgerechte und
nutzerfreundliche Ausbau der Ladeinfrastruktur für solche Kraftfahrzeuge“ gefördert werden.

Demgegenüber wurde im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens die direkte Förderung von „Zweirädern mit
Elektrounterstützung und mit Elektroantrieb“ als nicht erforderlich angesehen. Der Grund: Der Markt für
diese Zweiräder – so die Einschätzung – sei bereits sehr gut entwickelt und deren Verbreitung somit ohne
Weiteres gewährleistet.

Quelle: www.vlh.de

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